Schätzungen
meinen das ca. 80 Prozent aller körperlichen Beschwerden keinen
organischen Ursprung haben. Auslöser ist ein seelisches Problem. Die
Psyche nutzt den Körper als Sprachrohr. Millionen Menschen
leiden unter psychosomatischen Störungen, etwa 20 Prozent stärker.
Die Betroffenen wissen das oft gar nicht. Und wenn sie es wüssten -
Entrüstung wäre die Folge: "Ich bin doch nicht verrückt!"
Irrtümlicherweise verbinden viele das Wort Psycho mit dem Makel, eine
Meise zu haben. Psyche ist die Seele, Soma der Körper. Bei
psychosomatischen Erkrankungen wandelt sich seelischer Schmerz in körperliche
Symptome. Sie sind Botschafter chronisch gewordener Konflikte oder
Defizite. Klingt plausibel, setzt jedoch oft genug einen Teufelskreis
in Gang. In der alltäglichen Praxis werden Symptome therapiert,
seelische Komponenten häufig ignoriert. Selbst wenn ein Therapeut
Spurensuche betreiben will, stößt er zunächst auf Widerstand, da
Menschen gewohnt sind, ihren Körper technisch zu betrachten. Der
Defekt soll repariert werden, schnell und wirksam. Über
psycho-soziale Hintergründe spricht man nicht gern - kann sich auch
schwer vorstellen, was die damit zu tun haben könnten. Wenn der
therapeutische Blick sich andererseits nur aufs Organische heftet,
durchschaut er wenig. Hier setzt die psychosomatische Medizin an.
Idealerweise führt sie ein spezialisierter Allgemeinmediziner durch.
Dieser Weg spart Zeit (die richtige Diagnose erfolgt oft erst sieben
Jahre später), Kosten, vermeidet oftmals unnötig verordnete
Medikamente und Operationen. Er kann unter Umständen lebensrettend
sein: "Von den rund 12.000 Suizidtoten würden viele noch leben,
wenn mehr Ärzte psychosomatisch behandeln würden", so Dr.
Erich Schröder, Gründer des Bundesverbandes der niedergelassenen
psychosomatisch tätigen Ärzte.
Quelle: www.surfertreff.de/psycho
Stand: 23. September 2006